Kleinkind

Wir sind den Schnuller los!

Ein häufig leidiges Thema unter Eltern – wie und wann werden wir den geliebten Schnuller des Kindes los. Hier mein Erfahrungsbericht, wie wir das Thema erfolgreich angegangen sind.

Schon einen Tag nach der Geburt war der Zwerg ein Schnullerbaby. Er hat so viel geschrien, weshalb ich sehr froh über den kleinen Stöpsel war. Diesen hat er zeitweise gefühlt rund um die Uhr im Mund gehabt und das war auch in Ordnung für mich. Mit 1 1/2 Jahren ist er in die Krippe gekommen. Kurz vor der Eingewöhnung waren wir noch im Urlaub in Thailand gewesen, wo er auch kontinuierlich das Ding drin hatte. Ab dem Tag der Eingewöhnung, noch leicht geplagt vom Jetlag, habe ich ganz spontan den Schnuller tagsüber komplett weggelassen. Nur zum Einschlafen und in der Nacht hat er ihn bekommen dürfen. Durch die komplette Umstellung des bisherigen Tagesablaufs hat er das gar nicht mitbekommen und tatsächlich auch nicht vermisst.

Und dann schlich sich das schlechte Gewissen durch Zahnarzt und Internet-Ratgeber ein

Schnullerentwöhnung

Eigentlich versuche ich nicht so auf andere zu hören, wenn es um Erziehung und wann-wer-was können muss geht. Per se machen ja alle Eltern alles falsch. Ihr wisst, was ich meine. Doch wenn der Zahnarzt dann meint, mit 3 Jahren sollte der Schnuller spätestens weg sein, alle Ratgeber das gleiche sagen, und dann angeblich schon eine falsche Kieferstellung erkannt wird, dann beeinflusst mich das doch. Trägt das Kind den Schnuller den ganzen Tag über, soll sogar die Sprachentwicklung beeinträchtigt sein. Ob das Ganze nun stimmt, sei dahin gestellt. Ich jedenfalls habe dann beschlossen, dem Zwerg sanft und ohne Zeitdruck den geliebten Schnuller zu entziehen.

Wie wird man den Schnuller los?

Nachdem nun die Entwöhnung beschlossene Sache war, kam mir natürlich die nächste Frage und zwar: WIE?! Ich liste ein paar Dinge auf, die ich bei meiner Recherche gefunden habe:

Sanfte Entwöhnung mit viel Fantasie.

Bei allen Aktionen bekommt das Kind im Gegenzug ein Geschenk, was den Verlust wieder gut machen soll. Das Kind wird darauf vorbereitet und soll natürlich alles aus freien Stücken machen. Naja, die Konsequenzen kann es da zwar nicht einschätzen. Aber man kann es besser erklären, wenn das Kind mal nach dem Schnuller weint.

  • Der Schnuller wird an einen Schnullerbaum gehängt. Tatsächlich gibt es solch einen Baum fast in jeder Stadt zu finden.
  • Der Schnuller wird vom Kind bereit gelegt, die Schnullerfee kommt in der Nacht und nimmt den Schnuller mit und legt als Dank/Entschädigung ein Geschenk bereit.
  • Der Schnuller wird einem Neugeborenen oder einfach kleinem Baby geschenkt, denn nur Babys benötigen ja einen Schnuller.
  • Der Schnuller kommt an einen Heliumballon und wird dann in die Luft geschickt.
  • Der Schnuller wird in einem Spielzeugladen als Zahlungsmittel gegen ein neues Spielzeug eingesetzt. Natürlich muss das geklärt bzw. Bezahlt werden.

Die (fiese und) schleichende Entwöhnung

  • Der Schnuller wird mit einer Nadel mehrfach eingestochen, sodass das Saugerlebnis nachlässt. Die Fläche ist dann nicht mehr prall gefüllt, sondern gibt beim Festhalten nach.
  • Der Schnuller wird jeden Tag ein kleines Stückchen gekürzt, sodass das Festhalten mit dem Mund zunehmend schwieriger wird. Auch hier soll das Saugerlebnis nachlassen.

Wie wir den Schnuller entwöhnt haben

Zuallererst habe ich ein Kinderbuch gekauft, was die Thematik aufgreift. Mein Zwerg liebt Bücher und saugt die Inhalte regelrecht auf. Daher haben wir uns fast jeden Abend dieses Buch mit großer Freude angesehen. Dann habe ich ihn immer wieder gefragt, ob und wie er seinen „Nucki“ abgeben möchte. Irgendwie kam dann eine Box mit ins Spiel, in die der Schnuller gelegt werden sollte vor dem Schlafengehen. Dann würde die Schnullerfee kommen, diesen mitnehmen und ein kleines Auto da lassen. Zuvor habe ich ein Auto mit Anhänger und einen Gelenkbus gekauft und ihm erklärt, ich hätte das von der Schnullerfee am Telefon erfahren. So wollte er jeden Abend die Fahrzeuge haben, hat sich in letzter Sekunde dann aber doch wieder für den Schnuller entschieden.

Konkret habe ich versucht, die Pfingsttage als Stichtag für die Schnullerabgabe zu setzen. Doch dieser Plan ist nicht aufgegangen. Aber schon in Ordnung, der kleine Mann sollte alles freiwillig machen. Als nächstes Ziel hatte ich die Sommerferien der Krippe vor Augen.
Warum auch immer, genau den darauf folgenden Freitag wollte er so sehr die Fahrzeuge haben, dass er den Schnuller in seiner Aufbewahrungsbox gelassen hatte und einfach so ohne ihn eingeschlafen ist. Völlig perplex musste natürlich die Schnullerfee kommen. Er hat am nächsten Tag gleich danach gesehen und sich riesig gefreut.

Tja, und da war er blöderweise endgültig weg

Sowohl den Samstag als auch Sonntag fiel dann der Mittagsschlaf weg – er konnte einfach nicht einschlafen. Er hat nach dem Schnuller gefragt, aber nicht geschrien oder geweint. Er tobte stattdessen eher freudig durchs Bett und schlief eben nicht ein. Dafür war er jeweils abends so müde, dass er ganz lieb innerhalb einer viertel Stunde eingeschlafen ist.

Da in der Krippe leider sehr viel Wert auf Mittagsschlaf gelegt wird, muss er dort schlafen. Die Erzieherinnen haben da so ihre Probleme mit meinem Zwerg, da er einfach schwer allein entspannt und einschläft. Ich wurde sogar darum gebeten, für die Krippe wieder einen Schnuller mitzubringen. Da ich das sehr inkonsequent finde, habe ich es strikt verneint. Für mich war es nur anstrengender, wenn er Mittagsschlaf macht, da er abends schwieriger und deutlich später ins Bett geht. Halb 9 ist da gar nichts.

Geduldig sein am Abend

Die ersten Tage waren sehr sehr nervenaufreibend. Erst wollte er nicht einmal liegen bleiben, dann brauchte er Autos in der Hand. Dann hat er fast in Dauerschleife nach mir gerufen und wenn ich herein kam, überlegte er sich dann erst, warum ich überhaupt kommen sollte. Trinken, oder Toilette oder Hasi war plötzlich weg. Oder einfach nur kuscheln. Bin ich wieder raus gegangen, rief er wieder oder tobte so laut, vermutlich in der Hoffnung, ich würde direkt wieder herein kommen. Diese Tortour ging ungefähr 1 1/2 Wochen für je 2 – 3 Stunden. Lediglich nach dem Schnuller gefragt hat er, glücklicherweise nie danach verlangt.

Plötzlich hatte sich unser Abend-Dilemma in Luft aufgelöst, als ich aus reinem Zufall den einen Abend ein Tonie mit Schlafliedern angemacht habe. Dort hat er so intensiv zugehört, dass er sich einfach hingelegt hat. Nach unserem täglichen ausgiebigen Abendritual durfte ich dann ohne Weiteres raus gehen und er ist ganz allein entspannt ohne Schnuller eingeschlafen.

Bett vom Zwerg

So endet unser Weg der Schnullerentwöhnung. Ich bin gespannt auf die erste Krankheit ohne ihn, aber ich bin sehr stolz, wie gut es eigentlich geklappt hat.

Fazit aus Allem: Die Abgabe des Schnullers war eigentlich kein großes Werk. Die folgenden Abende wurden aber länger und stressintensiver. Darauf sollte man sich besser vorher einstellen. Glücklicherweise hat er nie Theater gemacht, der Schnuller müsse zurück. Er musste einfach erst lernen, wie man entspannt und einschläft ohne „Fremdeinwirkung“.

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